Maissilage – Auf die Stärke kommt es an! Oder?

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Maissilage ist mehr als nur Energielieferant

Je energiereicher die Maissilage, umso besser – das hört man in vielen Gesprächen. Aber die Energie kommt beim Mais nicht nur aus dem Kolben, sondern auch aus der großen Restpflanze. Rinder sind in der Lage, Kohlenhydrate aus verdaulichen Zellwänden der Pflanzen zu nutzen. Das ist ja gerade das Besondere am Wiederkäuer.

Fasern machen Fett

Stärke ist mit über 95 % für Rinder grundsätzlich hoch verdaulich, da unterscheiden sich die Maissorten kaum. Bei dem Blick auf die Gesamtverdaulichkeit kommt es also auf die Faserfraktionen der Restpflanze an. Je höher deren Verdaulichkeit ist, desto positiver ist die Wirkung auf die Futteraufnahme, das Pansenmilieu und die Milchfettsynthese.

Je später der Mais

Mit zunehmender Abreife lagert die Maispflanze beständige Stärke in den Kolben ein. Aus 1 kg beständiger Stärke wird im Dünndarm gut 30 % mehr Energie in Form von Glukose gebildet, als durch die Fermentation der leichter verdaulichen Stärke im Pansen (dort entsteht Propionsäure). In maisbetonten Rationen ist jedoch die beständige Stärke nicht nur von Vorteil. Vor allem, wenn zusätzlich Körnermais in die Ration genommen wird. Denn: der Dünndarm kann täglich nur etwa 1,5 kg beständige Stärke aufnehmen. Der Rest wird mit dem Kot ausgeschieden und bringt ggf. auch noch die Gülle zum Schäumen.

Maissilage verändert sich

Häufig wird die Schaumbildung im Herbst bei Fütterung der frischen Maissilage beobachtet. Mit der Dauer der Lagerung nimmt die Beständigkeit der Stärke ab, der Schaum legt sich. Dafür wird mehr Stärke im Pansen verfügbar. ACHTUNG: Das kann eine absenkende Wirkung auf den Pansen pH-Wert zur Folge haben. Silageanalysen sollten darum nicht nur am Anfang, sondern mehrmals im Laufe des Verfütterns gemacht werden, damit die Futterration fortlaufend angepasst werden kann.

Strategisch ernten

Wenn die Maisernte ansteht, liegen auf vielen Betrieben die Analysen der Grassilagen schon vor. Auch das Mengenverhältnis von Gras- zu Maissilage in der Ration ist dann abschätzbar. Je nachdem, wie gut der Mais gewachsen und wie viele Schnitte Gras es gegeben hat, wird die Fütterung 50 : 50, gras- oder maisbetont ausfallen. Steht viel gut verdauliche Grassilage mit 21 – 24 % Rohfasergehalt und um die 5 % Restzucker zur Verfügung, dann wird der Mais hauptsächlich als Energiequelle gebraucht.

Schnitthöhe, Sorteneinfluss und Erntetermin

Durch das Anheben der Schnitthöhe nimmt der Energie liefernde Kolbenanteil zu und der Rohfasergehalt ab. Bei sehr maisbetonten Rationen macht es jedoch keinen Sinn, auf hohe Stärke-Werte zu warten. Die Verdaulichkeit der Restpflanze ist in diesem Fall der entscheidende Faktor. Je später der Erntetermin, desto schlechter verdaulich ist die Faserfraktion. Die Wahl der Maissorte spielt natürlich auch eine Rolle. In Versuchen zeigte sich jedoch, dass der Erntetermin einen höheren Einfluss auf die Verdaulichkeit hat, als die Sortenwahl.

Die Stärke der Stärke im Pansen

Mikrobeneiweiß ist das wertvollste Eiweiß für die Kuh. Steht ihnen im Pansen viel Energie zur Verfügung, vermehren sie sich und der Anteil Mikrobeneiweiß, das im Dünndarm aufgenommen wird, steigt. Allerdings ist dieser Prozess fragil. Zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrate (Stärke und Zucker) führen zu einer stürmischen Milchsäurebildung. Der Pansen übersäuert, die Mikroben sterben ab und Klauenprobleme sind die Folge.

Pansen tunen auf Faserverdauung

Um so wichtiger ist es, die Verdauung des Faseranteils in der Ration zu stärken. Die Faser abbauenden Bakterien produzieren keine Milchsäure. Sie sind außerdem auf einen ausgeglichenen pH-Wert angewiesen. Wissenschaftlich ist belegt, dass Faser abbauende Bakterien auf die Anwesenheit von bestimmten Lebendhefen mit einer Erhöhung ihres Stoffwechsels und ihrer Fortpflanzungsaktivität reagieren. Gleiches gilt für Bakterien, die Milchsäure abbauen und damit die drohende pH-Wert-Senkung mit nachfolgender Azidose verhindern.

Grundfutter effizient genutzt

Eine tägliche Zugabe solcher Lebendhefen führte in Fütterungsversuchen zu einer um
40 % höheren Verdaulichkeit der Fasern insgesamt (NDF). Dabei wurde vor allem der Anteil der schwerer verdaulichen Zellulose (ADF) erheblich gesteigert, nämlich um 77 %. Übrigens: im gleichen Versuch war auch eine Futtergruppe mit Natriumbicarbonat statt Lebendhefe dabei. Die Faserverdaulichkeit konnte in dieser Gruppe aber nur um etwa 30 % gesteigert werden. Lebendhefen können eben mehr!

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Anne Cordes

Anne hat ein abgeschlossenen Studium zur Agr.-Ing. (FH) von der FH Kiel und 14 Jahre Praxiserfahrung auf einem Milchviehbetrieb. Sie ist seit über 18 Jahren Teil der jbs Familie. Momentan betreut sie den Bereich Qualitätsmanagement und ist spezialisiert auf Milchvieh und Silagemangement.

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